Teletron · ASCOM · MECO · Reichhardt

Funktechnik
aus Engelrod.

Leiterplatten, Kabelbäume und vollständige Funkgeräte: Engelrod hat eine industrielle Geschichte, die bis in die heutige Elektronikfertigung reicht. Sie erzählt von technischem Wissen, präziser Arbeit und einem Standort im Wandel.

Illustration eines Messplatzes für Funkgeräte
KI-Illustration eines typischen Prüffelds, keine historische Werksaufnahme.
Ein Werk gehört zum Dorf

Hinter dem Namen Teletron
standen viele Fachkräfte.

Zur Geschichte Engelrods gehören nicht nur Kirche, Landwirtschaft und Vereinsleben. Im Dorf wurden auch anspruchsvolle elektronische Geräte gefertigt. Eine historische Standortübersicht von Pfitzner-Teletron führt das Werk II an der Eichelhainer Straße 18 in Lautertal auf. Die Verwaltung und das Werk I lagen in Frankfurt.

Die Heinrich Pfitzner GmbH mit Sitz in Bergen-Enkheim bei Frankfurt entwickelte und vertrieb professionelle Nachrichtentechnik unter den Namen Teletron und Pfitzner-Teletron. Zum Programm gehörten Empfänger, Sender, Sprechfunkgeräte und Fernschreibtechnik. Der Engelröder Betrieb war Teil dieser industriellen Arbeitswelt.

Besonders anschaulich wird seine Geschichte durch die Erinnerungen aus der Fertigung: Hier konnten vollständige Funkgeräte entstehen. Dafür griffen viele Fachbereiche ineinander – vom Zeichenbüro über die Herstellung der Leiterplatten und die mechanische Bearbeitung bis zu Verdrahtung, Montage und Prüffeld. Wer an einem fertigen Gerät nur die Frontplatte sah, sah damit nur einen kleinen Teil der Arbeit.

Zum Weiterlesen: Historische Pfitzner-Teletron-Standortübersicht

Zum Weiterlesen: Herstellerprofil im Crypto Museum

Vom Plan zum fertigen Gerät

Ein Haus voller Möglichkeiten.

Eine eigene Leiterplattenfertigung, mechanische Werkstätten, Bestückung und Prüfung bedeuteten eine hohe Fertigungstiefe. Das Wissen lag an vielen Arbeitsplätzen: Es brauchte die richtige Zeichnung ebenso wie eine saubere Lötstelle und den erfahrenen Blick auf das Messgerät.

01Zeichnen & vorbereiten
02Leiterplatten & Mechanik
03Bestücken & löten
04Montieren & verdrahten
05Prüfen & abgleichen

Die Arbeitsbereiche sind nach Erinnerungen aus dem Betrieb beschrieben. Die Bilder veranschaulichen ihre Aufgaben; sie zeigen keine nachgewiesenen Teletron-Räume oder Maschinen.

Zeichenbüro und Bauteilelager

Bevor die erste
Lötstelle entstand.

Damit ein Gerät wiederholbar gefertigt werden konnte, brauchte es verlässliche Unterlagen. Ein Zeichenbüro konnte technische Zeichnungen, Leiterbilder, Bestückungspläne und Verdrahtungsunterlagen erstellen oder pflegen. Sie hielten fest, welches Teil wohin gehörte und wie die Baugruppen zusammenpassten.

Das Lager versorgte die Arbeitsplätze mit elektronischen Bauteilen: Widerständen, Kondensatoren, Halbleitern, Steckverbindern und weiterem Material. Aus einer langen Stückliste mussten die passenden Teile für einen konkreten Auftrag bereitstehen. Fertigung begann deshalb schon mit Vorbereitung, Ordnung und Materialkenntnis.

KI-Illustration: 01 · Leiterplattenfertigung
Konzeptionelle Darstellung des Arbeitsbereichs.
01 · Leiterplattenfertigung

Im Gelblicht entstand
das Leiterbild.

Die Erinnerung an den Gelblichtraum führt mitten in die Herstellung der unbestückten Leiterplatte. Ausgangspunkt waren kupferbeschichtete Glasfaserplatten. Auf die Kupferoberfläche wurde eine lichtempfindliche Trockenfolie auflaminiert. Darüber lag eine Filmvorlage mit dem Muster der späteren Leiterbahnen; anschließend wurde die beschichtete Platte belichtet.

Nach dem Entwickeln blieben bestimmte Bereiche geschützt, andere lagen für die weitere Bearbeitung frei. Die gelbe Beleuchtung bewahrte die empfindliche Beschichtung vor unbeabsichtigter Belichtung. Ein solches Verfahren beschreibt auch der Leiterplattenhersteller Eurocircuits.

Zum Weiterlesen: Beschichten und Belichten bei Eurocircuits

KI-Illustration: 02 · Galvanik
Konzeptionelle Darstellung des Arbeitsbereichs.
02 · Galvanik

Kupfer aufbauen,
Leiterbahnen formen.

Die vorbereiteten Platten wurden chemisch und galvanisch weiterbearbeitet. Bei der Galvanik wird Metall auf leitfähigen Flächen abgeschieden. In der Leiterplattenfertigung lässt sich dadurch beispielsweise Kupfer auf Leiterzügen und an vorbereiteten Bohrungswänden aufbauen. Solche Durchkontaktierungen verbinden die beiden Seiten einer Leiterplatte elektrisch.

Das Ätzen hat eine andere Aufgabe: Es entfernt Kupfer, das nicht zum gewünschten Leiterbild gehört. Beschichten, Belichten, Entwickeln, Metallisieren und Ätzen gehören damit zu einer zusammenhängenden Fertigungskette. Welche einzelnen Bäder damals zur Engelröder Abteilung „Galvanik“ gezählt wurden, ist noch offen.

Zum Weiterlesen: Der galvanische Prozess bei Eurocircuits

KI-Illustration: 03 · Mechanik und Bohrraum
Konzeptionelle Darstellung des Arbeitsbereichs.
03 · Mechanik und Bohrraum

Präzision brauchte
auch Metall und Maschinen.

Neben der Elektronik standen die mechanischen Arbeiten. Ein Funkgerät brauchte ein Chassis, ein Gehäuse, Befestigungen und häufig Abschirmungen zwischen empfindlichen Schaltungsteilen. Bohren und Fräsen schufen die Ausschnitte und Lochbilder, an denen später alles zusammenpassen musste.

Zum Betrieb gehörte nach der Erinnerung ein eigener Bohrraum mit einer CNC Fräs- beziehungsweise Bohrmaschine. Für Leiterplatten werden Bohrungen für Bauteilanschlüsse und Durchkontaktierungen benötigt; mechanische Teile brauchen ebenfalls präzise Bearbeitung. Die genaue Zuordnung der damaligen Maschine bleibt offen.

Zum Weiterlesen: Leiterplattenbohren und Fräsen bei Rohde & Schwarz

KI-Illustration: 04 · Bestückung und Verdrahtung
Konzeptionelle Darstellung des Arbeitsbereichs.
04 · Bestückung und Verdrahtung

Aus Einzelteilen wurde
eine funktionierende Schaltung.

In der Bestückung kamen die elektronischen Bauteile auf die Leiterplatten. Bei bedrahteten Teilen wurden die Anschlüsse durch die vorgesehenen Bohrungen geführt und verlötet. Hier zählten der richtige Bauteilwert, die korrekte Orientierung und eine zuverlässige elektrische Verbindung.

In der Kabelbaumfertigung wurden Leitungen vorbereitet und mit Kontakten oder Steckern versehen. Die Verdrahtung verband anschließend Baugruppen, Bedienelemente, Stromversorgung und Anschlüsse. Löten, Kabelkonfektion und Gerätemontage waren eng miteinander verbunden, verlangten aber jeweils eigene Kenntnisse.

Zum Weiterlesen: Kabelbäume und Systemverkabelung bei Zollner

KI-Illustration: 05 · Prüffeld und Abgleich
Konzeptionelle Darstellung des Arbeitsbereichs.
05 · Prüffeld und Abgleich

Ein Gerät war erst fertig,
wenn seine Werte stimmten.

Am Ende der Fertigung stand das Prüffeld. Dort wurden Baugruppen und vollständige Geräte gemessen, Fehler eingegrenzt und einstellbare Schaltungen abgeglichen. Das bedeutete, die Technik auf ihre vorgesehenen Sollwerte einzustellen und das Ergebnis zu kontrollieren.

Bei Funkgeräten gehören dazu je nach Gerät etwa Frequenzgenauigkeit, Empfangsempfindlichkeit und – bei Sendern – die Ausgangsleistung. Aus mechanischer und elektrischer Montage wurde so ein geprüftes nachrichtentechnisches Gerät. Erfahrung im Umgang mit Messmitteln war dafür ebenso wichtig wie sorgfältige Vorarbeit.

Zum Weiterlesen: Messaufgaben in der Funktechnik bei Rohde & Schwarz

Die Fertigung verändert sich

Später bestückte
auch der Automat mit.

Zu den späteren Erinnerungen an den Betrieb gehört die automatische SMD-Bestückung – der „Roboter“, der kleine Bauteile an die vorgesehenen Stellen auf der Leiterplatte setzte. Die Oberflächenmontage ergänzte damit die Arbeit an bedrahteten Bauteilen.

Beim typischen SMD-Verfahren wird Lotpaste auf die Kontaktflächen aufgetragen. Ein Bestückungsautomat nimmt die Bauteile aus ihren Zuführungen auf und positioniert sie. Anschließend entstehen beim Reflowlöten die elektrischen und mechanischen Verbindungen.

Wann diese Technik in Engelrod eingeführt wurde und welche Maschine dort arbeitete, ist noch nicht datiert. Für den heutigen Standort beschreibt Reichhardt sowohl SMT- als auch THT-Bestückung. Die beiden Verfahren stehen für unterschiedliche Bauformen und Arbeitsschritte innerhalb der Elektronikfertigung.

Zum Weiterlesen: SMT und THT am heutigen Standort

Das Geräteprogramm von Pfitzner-Teletron

Funktechnik für
sehr unterschiedliche Aufgaben.

Das Herstellerprogramm reichte von tragbaren und mobilen Sprechfunkgeräten bis zu professionellen Empfängern und Fernschreibtechnik. In Geräteverzeichnissen finden sich etwa der Fahrzeugfunktyp T8200, tragbare Geräte wie Pt 1200 und Pt 1700 sowie die Empfänger TE-704 und TE-712. Diese Beispiele beschreiben das Programm des Herstellers; sie sind keine Modellliste der Engelröder Fertigung.

Der TE-712B

Der um 1977 entwickelte TE-712 gehört zu den anspruchsvollen professionellen Empfängern. Er deckt einen großen Frequenzbereich ab und lässt sich in sehr kleinen Schritten abstimmen. Verschiedene Betriebsarten und Filter helfen, unterschiedliche Funksignale aufzunehmen. Für die B-Ausführung werden auch Speicher und Fernbedienbarkeit beschrieben; die S-Variante war einfacher ausgestattet.

Der Empfänger zeigt, welche Anforderungen an solche Geräte gestellt wurden: empfindlicher Empfang, stabile Frequenzen und eine präzise Bedienung. Das Crypto Museum verortet seine Entwicklung in Bergen-Enkheim. Eine Fertigung genau dieses Modells in Engelrod ist bisher nicht nachgewiesen.

10 kHz–30 MHzEmpfangsbereich
1 HzAbstimmschritte, keine Genauigkeitsangabe
ca. 20 kgGewicht
19 ZollEinbauformat mit vier Höheneinheiten

Zum Weiterlesen: Modelle im Radiomuseum

Zum Weiterlesen: TE-712 und seine Varianten im Crypto Museum

Funk für den Einsatz im Gelände

Ein erhaltenes tragbares Pfitzner-Gerät zeigt, wie Funk im Forst eingesetzt wurde. Funkgerät, Bleiakku und Ladegerät sind in einer Ledertragetasche untergebracht. Beschrieben wird ein Einsatz auf 69,950 MHz. Die genaue Modellbezeichnung ist dort unbekannt. Das Sammlerstück macht sichtbar, wie Funktechnik abseits des Schreibtischs genutzt wurde.

Zum Weiterlesen: Ein Pfitzner-Gerät bei hbaar

Ein neues Kapitel für den Standort

Die MECO-Jahre
in Lautertal.

Die Geschichte von MECO begann 1980 in Aßlar, wo Erwin Menger einseitige Leiterplatten fertigte. In den folgenden Jahren kamen doppelseitige, durchkontaktierte und mehrlagige Leiterplatten hinzu. 1994 übernahm MECO die interne ASCOM-Fertigung in Lautertal: Leiterplattenherstellung, Bestückungszentrum und vollständige Baugruppenfertigung.

Für 1995 nennt die Chronik eine Neubelebung der Bestückung in Lautertal. 2006 bündelte MECO seine gesamte Leiterplattenfertigung in Aßlar. Damit wurden die Herstellung der unbestückten Leiterplatten und die weitere Elektronikfertigung auf unterschiedliche Standorte verteilt.

Am 1. Juni 2016 übergab MECO die Elektronikfertigung in Lautertal-Engelrod an Reichhardt Elektronik und konzentrierte sich auf sein Kerngeschäft.

Zum Weiterlesen: Unternehmensgeschichte von MECO

Die Geschichte geht weiter

Elektronik bleibt
in Engelrod zu Hause.

Reichhardt nennt 2016 die Gründung der Reichhardt Elektronik GmbH und 2018 die Konzentration der gesamten Gruppenproduktion am Standort Lautertal-Engelrod. Der Betrieb ist damit auch Teil der Entwicklung moderner Elektronik für industrielle Anwendungen.

Zum heutigen Angebot gehören unter anderem Leiterplattenbestückung, Kabelkonfektion, Baugruppenmontage und Prüfungen. Fertigungsunterlagen werden vorbereitet, Bauteile verarbeitet, Baugruppen montiert und ihre Funktion kontrolliert. Die Aufgaben sind weiterentwickelt worden – das Zusammenspiel verschiedener Fachkenntnisse prägt den Standort weiterhin.

Die heutige Kabelkonfektionierung wurde laut Reichhardt mit der Eingliederung in die Gruppe nach Engelrod verlagert. Das ist von der früher erinnerten internen Kabelbaumfertigung bei Teletron zeitlich zu unterscheiden.

Zum Weiterlesen: Meilensteine der Reichhardt-Gruppe

Zum Weiterlesen: Heutige Leistungen von Reichhardt Elektronik

Teletron

Werk II an der Eichelhainer Straße 18.

1994

MECO übernimmt die ASCOM-Fertigung in Lautertal.

2006

MECO bündelt die Leiterplattenfertigung in Aßlar.

2016

Elektronikfertigung in Engelrod geht an Reichhardt.

2018

Gruppenproduktion von Reichhardt in Engelrod gebündelt.

Quellen und Erinnerungen

Die Geschichte verbindet historische Firmenunterlagen, Unternehmenschroniken und Gerätebeschreibungen mit persönlichen Erinnerungen aus dem Engelröder Betrieb. Die Abteilungen, der Ablauf im Gelblichtraum und die spätere automatische SMD-Bestückung wurden für dieses Dorfporträt beigesteuert; ihr genauer Zeitraum ist noch offen.

Die Quellen nennen die Verbindung von Pfitzner-Teletron und ASCOM teilweise unterschiedlich. Deshalb wird hier kein ungesichertes Übernahmedatum dieser beiden Unternehmen angegeben. Die MECO-Stationen von 1994, 2006 und 2016 sind in der MECO-Chronik dokumentiert. Vergleichsbeschreibungen anderer Elektronikhersteller erklären die Verfahren, belegen aber keine konkrete historische Maschinenausstattung in Engelrod.

Die Bilddarstellungen sind konzeptionelle KI-Illustrationen. Alle weiterführenden Quellen und Bildnachweise stehen auf der Quellenseite.

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